Von Millie Brecheisen, Physiotherapeutin in Basel. Aktualisiert am 1. Oktober 2026.
Sie legen sich hin, der Raum dreht sich für einige Sekunden, dann beruhigt sich alles. Beim Umdrehen tritt derselbe Schwindel wieder auf. Dieses Muster spricht für einen gutartigen Lagerungsschwindel, beweist die Diagnose aber noch nicht. Lagerungstests helfen, den betroffenen Bogengang zu bestimmen und das passende Manöver auszuwählen.
Ein charakteristisches Muster bei typischem Verlauf
Beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel, kurz BPLS oder BPPV, gelangen kleine Kristalle aus dem Innenohr in einen Bogengang. Dadurch entstehen kurze Drehschwindelattacken beim Hinlegen, Umdrehen im Bett, Blick nach oben oder Vorbeugen. Dazwischen fühlen sich Betroffene häufig relativ gut oder bemerken eine leichte Unsicherheit.
Der Test ist ebenso wichtig wie das Manöver
Die Behandlung sollte nicht mit einem zufällig gewählten Epley-Manöver beginnen. Lagerungstests bestimmen anhand der Beschwerden und der beobachteten Augenbewegungen, des Nystagmus, den betroffenen Bogengang und die Seite. Am häufigsten ist der hintere Bogengang betroffen. Es gibt jedoch auch Formen des horizontalen und vorderen Bogengangs.
Eine Übersichtsarbeit von 2023 unterstützt die Wirksamkeit des Epley-Manövers beim Lagerungsschwindel des hinteren Bogengangs [1]. Brandt–Daroff-Übungen können gelegentlich sinnvoll sein. Die Evidenz von 2024 zeigt jedoch keine Überlegenheit gegenüber einem gezielten Repositionsmanöver für den betroffenen Bogengang [2].
Unsicherheit kann trotz erfolgreicher Behandlung bleiben
Manche Menschen fühlen sich weiterhin schwankend, obwohl der Lagerungsschwindel behoben ist. Eine Übersichtsarbeit von 2024 beschreibt verschiedene mögliche Mechanismen: unvollständige sensorische Kompensation, Angst vor Bewegungen, eine zusätzliche vestibuläre Störung oder Anpassungen der Haltungskontrolle [3]. Vor weiteren Manövern ist deshalb eine erneute Untersuchung sinnvoll.
Kehren kurze, reproduzierbare lagerungsabhängige Drehschwindelattacken zurück, sollte an einen fortbestehenden oder erneuten Lagerungsschwindel gedacht werden. Sind die Lagerungstests negativ, müssen die verbleibenden Beschwerden nicht mehr durch verlagerte Kristalle entstehen.
Wenn das Bild nicht zum üblichen Lagerungsschwindel passt
Anhaltender Schwindel über Stunden, Schwäche, Doppelbilder, eine plötzlich auftretende Gehunfähigkeit oder ein ungewöhnlicher Nystagmus erfordern eine andere Abklärung. Auch deutliche Hörveränderungen sprechen für weitere mögliche Ursachen.
Nach einer Kopfverletzung können mehrere Bogengänge betroffen sein und andere Störungen gleichzeitig bestehen. Klinisches Abwägen bleibt daher nötig, auch wenn ein Teil des Musters vertraut wirkt.
Was geschieht nach dem Manöver?
Normale Bewegungen können meistens wieder aufgenommen werden. Bleibt das Gleichgewicht beeinträchtigt, kann Rehabilitation helfen. In Basel wird der tatsächlich betroffene Bogengang untersucht und behandelt und anschliessend das Ergebnis kontrolliert, statt allen dieselbe Abfolge vorzugeben.
Merksätze für die klinische Praxis
Der Dix–Hallpike-Test untersucht Formen der vertikalen Bogengänge, der Rolltest in Rückenlage den horizontalen Bogengang. Richtung, Latenz und Dauer des Nystagmus helfen, Bogengang und Seite zu bestimmen. Bei negativen Lagerungstests und dauerhafter Unsicherheit sollten vor weiteren Repositionsmanövern andere Mechanismen abgeklärt werden.
Vor dem Manöver: Bogengang und Einschränkungen klären
Der beobachtete Nystagmus bestimmt die Wahl des Manövers. Das Epley-Manöver behandelt vor allem den Lagerungsschwindel des hinteren Bogengangs. Für horizontale Formen braucht es eine andere Strategie.
- Beschreiben Sie die genaue Position, die Beschwerden auslöst, und deren Dauer.
- Nennen Sie Nackenprobleme, kürzliche Operationen oder Einschränkungen, die bestimmte Positionen erschweren.
- Lassen Sie das Ergebnis kontrollieren und unterscheiden Sie erneuten Lagerungsschwindel von verbleibender Unsicherheit.
Bei Bewegungseinschränkungen können die Positionen angepasst werden. Bei einer ersten, noch nicht untersuchten Episode ersetzt ein Manöver aus dem Internet keine Untersuchung.
Eine individuelle Untersuchung in Basel
Zur Untersuchung in Basel gehören die Krankengeschichte und geeignete Lagerungstests. Wird ein Lagerungsschwindel bestätigt, richtet sich das Manöver nach Bogengang und Seite. Verschwindet das Drehen, während Unsicherheit bleibt, können Gleichgewicht und Gehen im weiteren Verlauf gezielt behandelt werden.
Häufige Fragen
Wie viele Sitzungen sind nötig?
Manche Menschen profitieren bereits von einer Sitzung. Andere benötigen mehrere, besonders wenn verschiedene Bogengänge betroffen sind.
Kann ich das Epley-Manöver selbst durchführen?
Bei manchen Personen mit bereits gesicherter Diagnose ist das möglich. Das Manöver muss jedoch zu Bogengang und Seite passen. Eine falsche Wahl kann wirkungslos bleiben.
Warum fühle ich mich weiterhin wie auf einem Boot?
Eine verbleibende Unsicherheit ist möglich. Zuerst sollte geprüft werden, ob der Lagerungsschwindel behoben ist. Danach werden Gleichgewicht und weitere beteiligte Systeme untersucht.
Weiterführende Artikel
- Schwindel und vestibuläre Rehabilitation in Basel
- Anhaltender Schwindel nach BPLS oder Neuritis vestibularis: was tun?
- Neuritis vestibularis: akuten Schwindel und die Erholung verstehen
- PPPD: anhaltenden Schwindel verstehen und behandeln
Wissenschaftliche Quellen
[1] Effects of Epley procedure on BPPV patients: a systematic review of randomized controlled trials. 2023. Quelle auf PubMed lesen.
[2] Effectiveness of Brandt-Daroff exercises in BPPV: systematic review of randomized controlled trials. 2024. Quelle auf PubMed lesen.
[3] Özgirgin ON et al. Residual dizziness after BPPV management: pathophysiology and treatment beyond repositioning. Front Neurol. 2024. Quelle auf PubMed lesen.
Diese Informationen erklären mögliche Mechanismen und Optionen der Rehabilitation. Diagnose und Behandlung richten sich nach dem individuellen Befund.


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